Das Problem mit der Kreativität

Kennt ihr das? Wenn ihr unbedingt etwas Kreatives schreiben möchtet, aber ihr nicht einmal einen einzigen vernünftigen Einfall habt? Man starrt stundenlang auf die weißen Seiten oder schwingt den Stift so schnell übers Blatt, dass einem vor Schreibkrämpfen die Hand zittert und alles, was am Ende dabei rauskommt, sind zusammenhanglose Wörter. Und besonders schlimm sind diese unkreativen Phasen, wenn man nicht nur etwas schreiben möchte, sondern muss. Es gibt zwar Leute, die nur unter Druck gut arbeiten können, aber die meisten normalen Menschen brauchen Ruhe und Entspannung, um ihre volle Fantasie zu entfalten. Tja, blöd nur, dass man im Alltag zwischen Schule, Hobbys, Familie und Freunden nur selten die nötige Ruhe dafür hat. Und wenn man dann mal einen stressfreien Moment findet, möchte man ihn vielleicht auch nicht damit verschwenden, seinen überfüllten Kopf noch mehr zu belasten. Allerdings gibt es trotzdem so viele beeindruckend originelle Texte, dass sich mir immer wieder die Frage stellt: Wie schaffen es ganz normale Schüler und Erwachsene, so wunderschön zu schreiben? Wo nehmen die bloß ihre Ideen her?

Ich habe mich mal ganz unauffällig in meinem Umfeld umgehört und „zwischen den Zeilen gelesen“, wie das mit dem kreativ sein bei Anderen funktioniert. Wisst ihr, was ich herausgefunden habe? Ganz einfach, es gibt gar keine pauschale Antwort. Irgendwie ist das so, wie mit der Liebe (Romantik ist mein zweiter Vorname, ich kann einfach nicht anders). Manche glauben, für eine langjährige, glückliche Beziehung braucht man so was wie eine Zauberformel oder ein Geheimrezept. Aber letztendlich ist doch jede Beziehung individuell und besonders. Und jeder hat dabei seinen ganz eigenen Weg, wie er mit den Hürden des gemeinsamen Lebens umgeht. Beim Schreiben ist es genauso – wie man die Schreibblockaden überwindet und in Richtung Einfallsreichtum durchstartet, das muss jeder für sich herausfinden.

Ich kann jetzt also nicht so wirklich eine Lösung für das Problem mit den Ideen anbieten, aber von meinen „heimlichen Befragungen“ habe ich noch ein paar Anregungen mitgenommen, welche Methoden ganz gut funktionieren.

  1. Den Kopf frei bekommen. Klar, die meisten schreiben gerade, weil der Kopf zu voll ist und sie was davon loswerden wollen. Aber ab und zu ist es auch ganz hilfreich, wenn man sich ein bisschen Abstand von den eigenen Gedanken und Problemen gönnt und versucht, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Manche brauchen dafür Meditation und Yoga, ich persönlich bevorzuge es, einfach mal alles „rauszutanzen“.
  2. Die Augen öffnen. Inspiration wartet überall – draußen in der Natur oder auch zu Hause, in Büchern, Filmen, Serien und Bildern. Und wie heißt es so schön? Die schönsten und schlimmsten Geschichten schreibt das Leben. Wenn ihr einfach mal rausgeht und mit den Leuten um euch herum ein Gespräch beginnt, wenn ihr euch ihre Geschichten über Liebe und Freundschaft, Glück und Verluste anhört, dann, das verspreche ich euch, werdet ihr mehr Material zum Schreiben finden, als ihr euch vorstellen könnt.
  3. Sich selbst keinen Druck machen. Ich habe es selbst erlebt und ich denke, da geben mir auch viele Recht: die besten Texte entstehen, wenn man schreibt, als würde es sowieso nie jemand lesen. Nur dann ist man von ganzem Herzen ehrlich und nur so schafft man es, die Leute wirklich zu berühren oder zum Lachen zu bringen.
  4. Nicht verkrampfen. Schreibblockaden entstehen immer nur da, wo wir uns zu sehr festbeißen. Versucht einfach, euch zu entspannen und Pausen einzulegen, wenn es irgendwie nicht weitergehen will. Und falls ihr keine Ideen mehr habt, dann kann ich euch empfehlen, joggen zu gehen. Da ich mehr zur Sorte nur-Sport-machen-wenn-es-sein-muss gehöre, kann ich jetzt nicht behaupten, dass ich regelmäßig laufen gehe, aber ich habe von Läufern gehört, dass sie dabei immer die besten Einfälle haben. Ich persönlich zähle da eher zur Duschfraktion. Nirgendwo habe ich bessere Ideen als unter der Dusche (und ich weiß wirklich nicht, wieso). Aber ihr könnt euch sicher vorstellen, dass sich das nicht gerade positiv auf die Wasserrechnung auswirkt. Gerade deshalb ist Schwimmen übrigens auch eine gute Idee, immerhin hat der Sommer so gut wie angefangen.

Also falls ihr gerade an einem Text verzweifelt, oder euch die Motivation zum Schreiben fehlt, dann macht es doch einfach wie ich: schreibt über das, was euch bedrückt. Und vielleicht wird aus den schroffen, unschönen Sätzen und zusammenhanglosen Wörtern auch etwas richtig, richtig Gutes.

Juliane Vogler, Klasse 10b

In diesem Sinne wünscht das Literaturblog-Team allen Lesern eine erholsame, sonnige und natürlich kreative Ferienzeit!