In Memoriam

Für Matilda. Du wirst immer einen besonderen Platz in unseren Herzen haben.

 

Unter einer Linde,

goldne Blätter, stark und schlank,

steht seit vielen Jahren

diese kleine, alte Bank.

Da seh‘ ich uns noch sitzen,

vielleicht ist es nur ein Traum.

Da hör ich uns noch lachen,

unter jenem goldnen Baum.

Ich spüre noch den Herbstwind,

Sonnenschein streift mein Gesicht,

und wir lächeln bloß und reden,

viel mehr brauchen wir auch nicht.

Nebenan steht das Klavier,

wo wir singen, schön wie nie,

du verrätst mir, mein Gedicht

sei deine Lieblingsmelodie.

Wir spielen unsere Lieder,

wie am allerersten Tag.

Fahr vorsichtig, es regnet!“,

ist das Letzte, was ich sag‘.

 

Und dann?

 

Es sind ein paar Sekunden,

vielleicht eine oder zwei,

nur ein Wimpernschlag der Zeit

und ein Leben geht vorbei.

Ein Leben voller Liebe,

voller Freude, voller Leid,

ein Leben, das zu kurz war,

für den Tod noch nicht bereit.

17 Jahre sind zu wenig,

du verdienst doch so viel mehr!

17 Jahre sind zu wenig,

ja, das Leben ist nicht fair.

Ich kann es kaum begreifen,

sag mir, ist das alles wahr?

So darf es doch nicht enden!

Bist du wirklich nicht mehr da?

Überall nur lautes Schweigen,

nichts als Stille um mich rum.

Keine Antwort, keine Rettung,

ein Akkordeon bleibt stumm.

 

Aber so würdest du das nicht wollen.

 

Du würdest wollen, dass wir singen,

am Klavier, so schön wie nie.

Und dass ich weiter dichte,

eine neue Melodie.

Dass ich von dir rede

mit ’nem Lächeln im Gesicht,

ein bisschen Sonne oder Herbstwind,

viel mehr braucht es dafür nicht.

Du würdest wollen, dass wir frei sind,

frei von Sorgen oder Leid.

Deine Stimme hätte uns

von jeder Traurigkeit befreit.

Ich kann sie fast schon fühlen,

voller Wärme und so klar.

Du weißt, du wirst mir fehlen,

du warst einfach wunderbar.

Doch ich stell mir für dich vor,

du bist längst an einem Ort,

schöner als das Paradies

und deine Mama wartet dort.

Ich stell mir für dich vor,

du hast dort oben nun dein Glück,

und dass du weitergehst,

lässt du hier auch viel zurück.

 

Denn es muss weitergehen.

 

Die Erde dreht noch immer

und die Sonne schaut ihr zu,

und zwischen all den Sternen,

denke ich mir, da bist du.

Da wo alle Engel hingehören.

Nur ein letztes, treues Wort,

das will ich dir noch versprechen:

ich trage dich für immer bei mir

und ich werd‘ dich nie vergessen.

Können wir dich auch nicht halten,

bleibt dein Akkordeon auch stumm,

wirst du uns doch stets begleiten,

in unserer Erinnerung.

 

Unter einer Linde,

goldne Blätter, stark und schlank,

steht seit vielen Jahren

diese kleine, alte Bank.

Da bleiben wir nun sitzen,

wo wir lachen, wie im Traum.

Und ich werde auch nicht weggehen,

denn ich liebe diesen Baum.

 

Juliane Vogler, Klasse 11