Feiern wie der Graf

Ich putze mir noch einmal schnell die Zähne, bevor Lilli mich abholt. Die letzte Party war sicherlich schon ein Jahrhundert her, deswegen gebe ich mir extra viel Mühe, gut auszusehen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man kein Spiegelbild besitzt. Ich durchsuche die Gruft nach meinem schönsten Umhang, da klingelt es an meiner Tür. „Na Batman.“, ein Rotschopf mit dickem Grinsen steht mir gegenüber. Genervt rolle ich mit den Augen, diesen Witz hat sich die kleine Kräuterhexe sicherlich zuvor zurecht gelegt. „Schönen Abend Baba Jaga.“, damit hat sie wohl nicht gerechnet und schlug mir gegen die Schulter. „Du hättest dich ruhig mal ein bisschen beeilen können.“,merke ich an. „Die Coolen kommen immer zu spät“, sie nimmt ihren Besen und setzt sich darauf. Mit ein paar Handbewegungen deutet sie auf diesen und rückt etwas vor. Ich halte mich an ihr fest und es geht los. „Dein Nimbus hat auch schon bessere Tage gesehen, oder?“,frage ich provozierend. „Flieg doch das nächste Mal einfach selbst.“, antwortet sie frech. Lilli biegt noch einmal scharf nach links ab, und da sind wir, am angesagtesten Club von Blocksberg. Der Geruch von Kräutern, Schwefel, Punsch und Duftkerzen liegt in der Luft. „Der Graf ist auch hier?!“, erschrocken drehe ich mich um und sehe die alte Kürbislaterne. „Schreck lass nach, Jack du bist es!“, er funkelt mich an. Wir unterhalten uns über belanglose Themen, als plötzlich Lilli mich hinter sich herzog. „Ich liebe das Lied! Wir müssen unbedingt tanzen.“,wir nähern uns der Tanzfläche. „Wer spielt überhaupt?“, frage ich, „Casper natürlich.“. „Also ich mag ja lieber Marteria.“, doch da fällt mir auf, welchen Casper sie meint. Das kleine Schlossgespenst schwebt am DJ- Pult und lässt alle Monster sich zum Takt der Musik bewegen. „Siehe mal Kelly, das ist Graf… Graf Zahl.“, das betrunkene Monster Frankensteins, stellt mich einem süßem Skelett vor. „Dracula.“,verbessere ich ihn. Auf einmal rennt der grüne Dickkopf los und übergibt sich in den Sarkophag des Tut Ench Amun. Ich stehe nun allein neben Kelly, die sich die Hand vor den Schädel hält. „Das gibt Ärger mit der Mumie.“, lache ich nun mit ihr. „Ich hätte mich schon längst bis auf die Knochen blamiert.“, kichert sie. Ich entschuldige mich und bin auf dem Weg zu Toilette, da sehe ich eine riesige Schlange. Sie schlängelte sich mit vielen weiteren auf dem Kopf der Medusa. Hochnäsig lief sie, mit ihrer neuen Sonnenbrille, an mir vorbei und ich war ihr keines Blickes würdig. „Aliens, Untote, Hexen, Fabelwesen… Unsterblich.“, vorsichtig stieß ich die Tür auf. „Hier riecht es ja, als wäre jemand gestorben.“, ich halte mir die Nase zu. Eine der belegten Kabinen öffnet sich und tatsächlich, „Tod was machst du denn hier?!“ Der Man mit der Sense begrüßt mich mit einer Umarmung. Nach dem Toilettengang fühle ich mich gleich besser. Eine bleiche Puppe mit roten Kringeln auf den Wangen fragte mich: „Komm spiel mit mir… ich meine uns, Lust auf ein Trinkspiel? Nosferatu und Lucifer sind auch dabei.“ Weil ich noch fliegen muss, lehne ich dankend ab. Ein zerzauster Yeti mit einer Platte voller Häppchen kommt auf mich zu. „Frisch abgetrennte Finger mit Knusperpanade, die rechts sind ohne Knoblauch.“ „Fingerfood nach meinem Geschmack.“, und schon landet eins in meinem Mund. Mit einem lautem Rums lande ich auf dem Rücken. „Oh Entschuldigung. Ich helfe ihnen.“, sofort werden mir sechs Tentakel entgegen gereicht. Verwirrt greife ich zwei. Ausgerutscht in der Alien Schleimspur, hoffentlich haben das nicht alle gesehen. Als „Thriller“ von Michael Jackson erklingt und alle Zombies die Tanzfläche stürmen, muss ich gehen. „Geh noch nicht, du verpasst doch das Beste.“, jault mir ein Werwolf entgegen. Es war Larry, ich kenne ihn noch von damals. Wir besuchten die selbe Schule. „Dann kannst du eine Sanduhr aus mir machen.“, ruf ich, bevor ich mich verwandle und davon fliege.

Eine Halloweenpaty wie diese muss gut geplant sein, den ansonsten kann man schnell ins Fettnäpfchen (oder in den vollgekotzten Sarkophag) treten. Mit dieser Geschichte, wünsche ich ein schauriges Fest. Und an die Christen fröhliches Kirchentürenhämmern.

Emma Albrecht, 11a