Auf den Spuren Theodor Fontanes

Theodor Fontane – Wer kennt ihn nicht? Bereits in der Grundschule lernen wir seine Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ kennen und seine „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ dürften dem ein oder anderen auch nicht unbekannt sein. In der Jahrgangsstufe 12 spielt er im Deutschunterricht als bedeutendster deutscher Vertreter des Realismus erneut eine große Rolle und so war unsere Fahrt am 04. Oktober eine gute Möglichkeit, Theodor Fontane etwas genauer kennenzulernen.
Unsere erste Station war der Geburtsort Fontanes – die Stadt Neuruppin. Im Museum Neuruppin wurden wir zunächst herzlich empfangen und anschließend in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine begab sich mit Hilfe der App des Museums auf eine kleine Rallye durch die Stadt. Wir besichtigten das Geburtshaus Fontanes, die heutige Löwen-Apotheke und erhielten mittels der App viele Informationen zum Gebäude. Des weiteren konnten wir die Kirche, in der er getauft wurde, das Gymnasium, welches er für kurze Zeit besuchte und das Mietshaus der Familie Fontane betrachten. Die andere Gruppe ging zeitgleich im Museum auf Spurensuche. Hier erhielten wir genaue Informationen über sein Leben in Neuruppin und es gab viele interessante Ausstellungsstücke, wie zum Beispiel die originalen handschriftlichen Notizen von Theodor Fontane. Nach 45 Minuten wurden die Gruppen gewechselt.
Unsere zweite Station war Berlin. Auch hier verbrachte der Schriftsteller eine längere Periode seines Lebens. Genauso, wie auch über Neuruppin, schrieb Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ über diese Stadt. Die einzelnen wichtigen Punkte fuhren wir mit dem Bus ab und ein Guide erzählte uns viel über Fontanes Leben in Berlin. Wir besuchten das Künstlerhaus Bethanien, welches zur Zeit des Schriftstellers ein Diakonissen-Krankenhaus gewesen ist. Er war dort für einige Zeit als Apotheker tätig. Außerdem machten wir am Schauspielhaus Berlin Halt. Es ist das zentrale Gebäude auf dem Gendamenmarkt und gilt als eines der Hauptwerke des Architekten Karl Friedrich Schinkel. Theodor Fontane charakterisierte den Baumeister in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ mit folgenden Worten: „Unter allen bedeutenden Männern, die Ruppin, Stadt wie Grafschaft, hervorgebracht, ist Karl Friedrich Schinkel der bedeutendste.“. Es lässt sich deutlich erkennen, wie viel der Schriftsteller von Schinkel hielt. Theodor Fontane galt zu seiner Zeit als einer der wichtigsten Theaterkritiker. Er hatte hohe Ansprüche und wenn ihm etwas nicht gefiel, so schrieb er das auch. Sobald die Schauspieler Fontane im Publikum erblickten, hatten sie Angst, dass am nächsten Tag etwas Schlechtes über das Stück in der Zeitung stehen würde.
Unsere Fahrt endete mit einem Theaterbesuch im „Theater an der Parkaue – Junges Staatstheater Berlin“. Wir hatten das Glück, die Uraufführung einer modernen Inszenierung von Effi Briest, einem Werk von Theodor Fontane, besuchen zu können. Das Theater arbeitete mit einer Drehbühne, welche es möglich machte, das Stück abwechslungsreich zu gestalten und viele verschiedene Räume darzustellen. Außerdem brachte sie sehr viel Dynamik in die Vorstellung. Zunächst erschien einem die Inszenierung sehr durcheinander und wer den Inhalt vorher nicht kannte, der hatte auch keine große Chance, das Stück zu verstehen. Außerdem gab es zwei Effis – die eine eher negativ gestimmt, die andere positiv – was zunächst auch etwas verwirrte. Teilt man die Vorstellung allerdings im viele einzelne Puzzleteile und fügt sie am Ende zusammen, so versteht man auch schnell, warum zwei Effis gewählt wurden. Im originalen Werk von Theodor Fontane stirbt Effi Briest am Ende. Im Theaterstück sollen zwei Effis die zwei möglichen Auswege der Hauptfigur darstellen. Entweder endet ihr Leben oder sie beginnt einen Neuanfang. Man entschied sich für die zweite Variante und so stellte die letzte Szene eine Effi mit Koffer dar. Während der Vorstellung konnte man die Zuschauer mit viel Witz sehr oft zum Lachen bringen. Das Theaterstück wurde von den Schauspielern sehr gelungen dargestellt und bot viel Platz zur Interpretation. In unserer Gesprächsrunde im Deutschunterricht konnten deswegen viele verschiede Auffassungen der Schüler diskutiert werden.
Der Tag bot sehr viele Möglichkeiten, um viele Eindrücke über Theodor Fontane zu gewinnen. So lernten wir den Autor besser kennen und erhielten viele Informationen über seine Kindheit und Jugend in Neuruppin und seine Zeit als Apotheker und später als Theaterkritiker in Berlin.

Lilian Laue, Klasse 12