Gedanken zur Weihnacht

Ein dunkler Winterabend,

kalte Hände, Gänsehaut,

alle Wege führen zum Marktplatz,

alt bekannt und gut vertraut.

Warme Crêpes und Waffeln

dampfen in der Winterluft,

am Bratwurststand vorbei

zieht ein gebrannter Mandelduft.

Man trifft sich mit Bekannten,

um von Stand zu Stand zu ziehen.

Wo man auf das Leben anstößt,

dort beginnt das Weihnachtsglühen.

Und ein Stern fällt durch die Nacht,

schließ die Augen, wünsch dir was.

„Was wünschst du dir zum Weihnachtsfest?“

Das ist die Frage aller Fragen

und ich selbst kann oft nur sagen:

„Ich wünschte mir, ich wüsste es.“

Irgendwie mach ich was falsch,

ich muss doch wissen, was ich will!

Es heißt: „Hör auf dein Gefühl“,

aber mein Gefühl bleibt still.

Vielleicht liegt es auch daran,

dass die Auswahl mich erschlägt,

ich mich wunschlos glücklich fühle

oder mir nichts wirklich fehlt.

Aber Weihnachten ist auch

die Zeit, an andere zu denken.

Es geht nicht ums beschenkt werden,

sondern mehr noch um das Schenken.

Denn ein Stern fällt durch die Nacht,

schließt die Augen, wünscht euch was.

Und? Woran habt ihr gedacht?

Ist es…ein Urlaub in Kroatien,

Shoppingtrip nach Kopenhagen?

Ein Laptop oder Smartphone

und ein schicker, schneller Wagen?

Kunst, Konzerte und Karriere,

Hochzeit, Hund und Eigenheim –

oder sind die wahren Träume

im Vergleich dazu recht klein?

Ist es vielleicht nur Schokolade

und ein richtig gutes Buch?

Oder dass an Heiligabend

die Familie euch besucht?

Ist es Gesundheit für die Liebsten,

dass sie lang und glücklich leben,

das Handy mal zur Seite legen

und persönlich mit euch reden?

Ein ruhiger Abend vorm Kamin

bei einer guten Tasse Punsch?

Ich bin bereit, alles zu geben,

sagt, wie lautet euer Wunsch?

Schließlich scheint das Schenken

von besonderen Geschenken

den Schenkern mehr zu schenken

als den eigentlich Beschenkten.

…Soll heißen?

Es fühlt sich einfach schön an,

Freude in die Welt zu streuen,

wie die Augen plötzlich leuchten,

wenn sich alle ehrlich freuen.

Doch für manche hat das Päckchen

unterm Baum auch kein Gewicht.

Sie beschließen ohne Zweifel:

„Dies Jahr schenken wir uns nichts.“

Wer nichts schenkt, kann sich viel sparen,

Hektik, Stress und auch das Geld,

und vor allem die Enttäuschung,

wenn’s dann doch nicht so gefällt.

Denn das Richtige zu finden,

fällt ja meistens nicht so leicht,

besonders, weil am Jahresende

unsre Zeit dafür nicht reicht.

Und ein Stern fällt die Nacht,

ich schließ die Augen, wünsch mir was.

Ich wünschte mir, ich hätte Zeit.

Natürlich, ich bin jung,

was hab ich schon mit Zeit am Hut?

Doch egal, wie alt man wird,

davon hat man nie genug.

Wir kennen das doch alle:

das Jahr hat grad erst angefangen

und zwischen tausenden Terminen

ist es plötzlich schon vergangen.

Und kann mir bitte wer erklären,

wohin all die Jahre sind?

Heute bin ich fast erwachsen,

gestern war ich noch ein Kind.

Manchmal wünsche ich mir fast,

ich hätt das Laufen nie gelernt.

Ich müsste nichts allein entscheiden,

das Abi wäre weit entfernt.

Und was noch?

Ich wünsch mir einen echten Winter,

weiße Weihnachten im Schnee,

rodeln gehen, so wie früher,

Schlittschuh laufen auf dem See.

Ich wünsch mir, Neues zu erleben,

Stock und Stein zu überwinden

und wenn ich mich verlaufe,

stets den Weg nach Haus zu finden.

Und zu Hause, das seid ihr.

Wohin ich geh, ihr bleibt bei mir.

Dass wir uns kennen, ist ein Geschenk,

von euch zu reden macht mich stolz.

Und wenn ich mich verbeuge,

dann verneig ich mich vor euch.

Ich wünsch mir, dass ihr auf euch aufpasst,

euch die Hoffnung nie verlässt,

ihr das Lachen nicht verlernt,

und euch selbst auch nicht vergesst.

Und noch ein letztes wünsch ich mir,

dass wir uns an die erinnern,

die dort oben in der Nacht

nun als Sterne für uns schimmern.

Denn egal, wie weit sie weg sind,

sie gehören mit dazu.

Vielleicht ist das Besinnlichkeit,

jeder kommt in sich zur Ruh,

und auf dem einen Stern, der lächelt,

denke ich mir, da bist du.

Da, wo alle Engel hingehören.

Es gibt so viel zu verschenken,

dass die Auswahl uns erschlägt,

und man anfängt, sich zu fragen,

was es ist, das wirklich fehlt.

Ich brauche keine Schokolade,

vielleicht ja auch kein neues Buch,

mein Gefühl sagt klar und deutlich:

„Hab ich euch, hab ich genug.“

Und es zählt auch nicht der Preis,

nicht der stumpfe Warenwert.

Wie viel Herz man investiert,

definiert den wahren Wert.

Manchmal reichen liebe Worte

und ein bisschen Dankbarkeit,

oder ab und zu zu sagen:

„Dafür nehm‘ ich mir die Zeit.“

Für warme Crêpes und Waffeln,

um von Stand zu Stand zu ziehen,

für Winterluft, Dezemberduft

und ein bisschen Weihnachtsglühen.

Es ist Zeit, uns zu erinnern,

dass die Tage schnell vergehen,

und vielleicht in stillen Stunden

hoch zum Himmel aufzusehen.

Denn ein Stern fällt durch die Nacht,

und ich wünsch uns allen was:

Frohe Weihnachten.

Juliane Vogler