Von „Hä?“ zu „Aha!“

Die verstellte Stimme in Kombination mit dem eigentlich echt gut sitzendem Kajalstrich verwirren mich.

Erschrocken zucke ich zusammen, als die Quelle dieser Stimme plötzlich neben mir auf den Boden springt. Damit habe ich nicht gerechnet, aber ich kann damit umgehen, wirklich…

Da steht er nun auf der Bühne unserer Aula und muss wohl in ganz schön verwirrte Gesichter im Zuschauerraum gucken, der Ärmste.

Aber das scheint er gewöhnt zu sein. Denn er beginnt ganz souverän Faust vorzutragen.

Ich an Goethes Stelle hätte es wahrscheinlich auch nicht anders gemacht und „Faust ll“ auch erst nach meinem Tod veröffentlichen lassen. Die Kommentare von wegen „Hä…?“ und „Was meinst du damit?“ hätten mich auch fertig gemacht. Wenn man selbst in Zeiten von Dr Google und Wikipedia den Inhalt nicht versteht, dann mag das schon was heißen…

Da steht er nun auf der Bühne unserer Aula und inszeniert „Faust“ als wäre es das einzige, was er je in seinem Leben gemacht hat. Und nicht nur Faust, auch Marthe, Gretchen und Mephisto bekommen einen zwar sehr übertriebenen aber passenden Charakter von ihm verpasst. Wahrscheinlich kann man das nur so übertrieben mit uns Literaturtieffliegern machen, da wir sonst immer noch nichts checken würden.

Mich treffen verzweifelte Blicke von einem Mädchen ein paar Reihen hinter mir. Ja gut, was sagt man denn auch, wenn man gefragt wird, ob es einen noch größeren Dummkopf als man selbst einer sei, gibt?! Ich wüsste es auch nicht…

Da steht er nun auf der Bühne unserer Aula und hat es geschafft, dass wir Faust verstehen. Dass sich die Fragezeichen in Ausrufezeichen verwandeln und wir wirklich begriffen haben.

Danke an Sie, Ekkehart Voigt.

Sie haben Licht in das unendlich scheinende Dunkel gebracht und uns sehr geholfen.

Ronja Fischer, 10A