Wenn sich eine Tür schließt, wie macht man sie auf?

Es gibt Begriffe, die kann man nicht einfach so definieren, da muss jeder selbst entscheiden, was ihm dieses Wort sagt. Genau in diesem Moment befinde ich mich in so einer Situation und beschäftige mich unfreiwillig intensiv mit der Definition von dem Wort Mut. Nein, ich klettere nicht in schwindelerregenden Höhen, kämpfe nicht gegen ein angsteinflößendes Tier oder performe vor Millionen. Sie ist einfach da. Ich sehe sie schon aus der Ferne. Die Glastür in meinem Schulflur. Schlagartig gehe ich alle möglichen Optionen in meinem Kopf durch. 

Drücken oder Ziehen, Drücken oder Ziehen? 

Der Abstand zwischen mir und der Tür wird immer geringer. Panik. Da ich so auf die Tür fixiert war, fiel mir erst jetzt die Zehntklässler-Clique dahinter auf. Die Lage wird immer ernster. Wenn ich mich jetzt für die zu 50% eventuell falsche Bewegung entscheide, muss ich die unangenehme Situation natürlich gut überspielen. 

Drücken oder Ziehen, Drücken oder Ziehen? 

Laufe ich also schwungvoll auf die Tür zu, um zu bemerken, dass ich doch ziehen muss. Oder ziehe ich mit meinen lächerlich dünnen Oberarmen albern an der Tür, nur um dann doch meinen Schwerpunkt nach vorn zu verlagern und die Tür aufzudrücken.

 Drücken oder ziehen, Drücken oder Ziehen? 

Wie war das nochmal mit den Fluchtwegen? Der Moment ist gekommen, ich ziehe. Falsch, also seufze ich und drücke. Mit einem nervösen: „Haha Upsi…“, gehe ich an den unglaublich „coolen“, jüngeren und pubertierenden Jungs vorbei. So ein Blödsinn, sonst mache ich mir auch nicht so viel Gedanken darüber, wie andere mich beurteilen, aber etwas Besseres als: „Haha Upsi“, hätte mir schon einfallen können. 

Emma- Neele Albrecht 12 Klasse