Geschichte der Schule

Im Nordwesten des Landes Brandenburg, im kleinen Prignitzer Städtchen Kyritz findet der geneigte Besucher eines der schönsten und gleichzeitig imposantesten Schulgebäude des Landes Brandenburg. Unser Haus kann auf eine lange wechselhafte und spannende Geschichte zurückblicken.
Lehrerseminar um 1900
Im Jahre 1866 fand die Grundsteinlegung für ein Gebäude des Kyritzer Lehrerseminars in der heutigen Perleberger Straße statt. Das Kyritzer Lehrerseminar selbst wurde am 1. Februar 1866 feierlich eröffnet und war neben den Seminaren in Köpenick und Oranienburg das dritte in der Provinz Brandenburg. Da das Seminargebäude, also unser heutiges Gymnasium, noch gar nicht gebaut war, fand der Unterricht in den ersten Jahren in angemieteten Räumen in der Wilhelmstraße 55/56 im Haus von Ackerbürger Heise, in der heutigen Johann – Sebastian – Bach – Straße statt.
Dieser Zustand änderte sich mit der Fertigstellung des Hauses im Oktober 1871. Der repräsentative Backsteinbau öffnete als Königliches Schullehrerseminar seine Pforten, wenige Jahre später folgte die Präparandenanstalt auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Doch zurück zum Gebäude. Die Grundrisse zeigen deutlich, dass im Verlaufe der Zeit mehrere Um- und Ausbauarbeiten vorgenommen wurden. So beherbergte das Seminar nicht nur Wohnungen für Lehrkräfte und Hausmeister, sondern auch eine Übungsschule für die angehenden Volksschullehrer. Später kamen Schlafsäle für Internatsschüler, rechts vom Schulhof eine kleine Turnhalle, ein Abortgebäude und links vom Schulhof der Seminarpark, der den Seminaristen zur Erholung zur Verfügung stand, dazu.
1922 beschloss die preußische Staatsregierung alle Lehrerseminare aufzulösen, 1924 war dann endgültig Schluss. 2263 Seminaristen hatten bis dahin in Kyritz ihre Ausbildung erhalten. Das Haus wurde einer neuen Bestimmung übergeben.
Bereits 1920 wurde aus der ehemaligen Präparandenanstalt der Sitz des Finanzamtes .
Am 1. Mai 1924 begann in der Perleberger Str.6 der Unterricht an der „Deutschen Oberschule in Aufbauform“, deren Besuch in 6 Jahren zum Abitur führen sollte.
1926 erhielt die höhere Bildungsanstalt den Namen Jahnschule, den sie bis in die 50iger Jahre führte. Auch wenn der Namensgeber seine Ausbildung zum Abitur am Grauen Kloster in Berlin vorzeitig abbrach, die Jahnschüler zeigten da deutlich mehr Durchhaltevermögen. 1928 bestanden alle Abiturienten ihre Reifeprüfung, darunter auch 18 Mädchen.
Der Unterricht wurde bis kurz vor Kriegsende durchgeführt. dann wird das Gebäude zweckentfremdet als Hilfslazarett und Durchgangslager genutzt. Am 14. Juli 1945 erteilte der damalige Kreiskommandant der Roten Armee dem Lehrer Herrn Dr. Richard Wegener den Auftrag, mit Schulung und Unterricht wieder zu beginnen. Wenige Zeit später, am 21. Juli, wird das Gebäude in der Perleberger Str. 6 durch die Sowjetarmee beschlagnahmt. Im September 45 wird wiederum Dr. Richard Wegener durch Major Laskow beauftragt, Grund – und weiterführende Schulen einzurichten. Am 1. Oktober nimmt die Jahnschule als Gymnasium ihren Betrieb unter der Leitung von Dr. Wegener wieder auf. 1948 wurde diese in eine „Vereinigte Ober- und Zentralschule“ überführt, die sich in einen Grundschulteil, (Klasse 1-8), und einen Oberschulteil (Klasse 9-12) gliederte.

1953, nachdem der letzte Jahrgang von Oberschülern ein Jahr zuvor Aufnahme an der Schule gefunden hatte, hielt das neu gegründete „Institut für Lehrerbildung“ Einzug in das ehemalige Seminargebäude. So gab es zwei parallel verlaufende Bildungsgänge. Während die einen ihr Abitur ablegten, bereiteten sich die anderen auf den Beruf einen Unterstufenlehrers (Klasse 1-4) vor und nutzten die im Haus verbliebene Grundschule als Hospitationsschule.
Von 1969 –1987 wurden dann Heimerzieher am IFL mit einer Lehrbefähigung für die Fächer Sport, Musik, Kunsterziehung und Werken ausgebildet. Bis zur Wende 1989 fanden die überwiegend leer stehenden Räumlichkeiten unterschiedliche Nutzung und das Schicksal des einst so repräsentativen Gebäudes schien auf unbegrenzte Zeit in den Sternen zu stehen.
1991 wurde das Haus auf Beschluss des ersten freigewählten Kreistages Kyritz im Beisein des damaligen Landrates Herrn Winter und Frau Ministerin M. Birthler als Gymnasium wieder eröffnet. Seinen endgültigen Namen, den des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn, erhielt das Gymnasium am 27.05. 1992.
Inzwischen ist baulich und personell viel passiert. Die Schule wurde behindertengerecht umgebaut, ein Sportkomplex mit moderner Drei-Felder-Halle und Sportplatz wurde errichtet und das Kultur – und Freizeitzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft wurde fertig gestellt. Modernste Technik mit Computern, Beamer, Smart – und Whiteboars hielten Einzug. Durch den Schulträger, den Landkreis Ostprignitz – Ruppin, und das Land wurden optimale Lehr – und Lernbedingungen geschaffen. Leider konnte die Entwicklung der Schüler- und Lehrerzahlen mit den eingesetzten finanziellen Mitteln nicht mithalten. Hatte die Schule bei ihrer Eröffnung im Jahre 1991 noch 850 Schüler und 55 Lehrer, so reduzierte sich deren Zahl auf 425 (237 weiblich, 188 männlich) im Schuljahr 2012/13. Diese werden heute von 34 Lehrern unterrichtet.
Und so schließt sich ein Kreis. Legten 1928 die ersten Jahnschüler ihr Abitur in unserem ehrwürdigen Hause ab, so können 2014  61 Absolventen ihr Reifezeugnis in Empfang nehmen.
Das Gymnasium heute
Basierend auf Tagebuchaufzeichnungen des Dr. Richard Wegener
und den Recherchen des Schulprojektes „Spurensuche“ des Gymnasiums F.L.Jahn 2011