Nachbarn in Europa

Die Wurzeln des Projektes „Nachbarn in Europa“ reichen bis in das Jahr 1991. Nach dem Mauerfall gehörten die beiden ehemals getrennten Teile Deutschlands zwar offiziell wieder zusammen, doch war noch kein großes Gefühl der Zusammengehörigkeit entstanden. Deshalb taten sich in diesem Jahr das Friedrich-Ludwig-Jahn Gymnasium in Kyritz/Brandenburg und das Gymnasium Westerstede/Niedersachsen zusammen, um den Kontakt zwischen Schülern und Lehrern in Ost- und Westdeutschland herzustellen. Hierbei war klar, dass sowohl gemeinsames Arbeiten, als auch gemeinsame Freizeitgestaltung als Mittel des Abbaus von Berührungsängsten eingesetzt werden sollten.
In den Jahren 1993 und 1994 trafen Gruppen von beiden Schulen unter dem Motto „Eine Landschaft entdecken“ zusammen. Hierbei standen regionale Projekt im Mittelpunkt, die zum näheren Verständnis der Struktur und der Probleme beitragen sollten.
Während noch diese ersten Arbeitsprojekte stattfanden, wuchs in den Köpfen der Organisatoren bereits eine neue Ideen an: Die Zusammenarbeit sollte international ausgeweitet werden, damit die Teilnehmer einen offenen Umgang mit Menschen anderer Länder pflegen können und eine Möglichkeit zur Bildung internationaler Freundschaft bekamen.
Im Jahr 1995 war es dann so weit. In Kyritz fand das Pilotprojekt “ Nachbarn in Europa“ statt. Hierbei nahmen neben den beiden deutschen Schulen das bilinguale Gymnasium UDT Poprad/Slowakei und das KDC Emmen/Niederlande teil. Weil man sah, dass das Projekt auf diese Weise eine sinnvolle Kontaktmöglichkeit darstellt, schlossen sich 1996 Liceum Ogolnoksztalcace Bielsko-Biala/Polen und das Tycho Braheskolan Helsingborg an. Nachdem die Treffen mit großem Erfolg zweimal in Kyritz stattgefunden hatten, überwog der Gedanke, das Projekt in jedem Jahr in einem anderen Land durchzuführen. Diese Idee wurde 1997 erstmals in der Slowakei umgesetzt. An diesem Projekt nahm nun auch das Vydunas Gimnazium Silute/Litauen teil. Mit dieser neuen Rotation der Austragungsorte wurde auch das Arbeitsfeld vielfältiger. Man kann in jedem Jahr an der Erkundung einer anderen Region arbeiten, was zu einer großen Vielfalt an Ergebnissen führt. Auch wird die Region nicht mehr separat betrachtet, sondern es wird immer mehr versucht auch den internationalen Zusammenhang aufzuzeigen. Dies gelingt auch dadurch besonders umfassendes, da die Begleiter in verschiedenen Fachgebieten zu Hause sind und Projekte in diesen anbieten. So stehen nicht nur Politik und Geschichte der Region, sondern auch ihre geografischen und naturwissenschaftlichen Eigenschaften sowie kulturelle Eigenheiten bei der Bearbeitung im Mittelpunkt. Ach auch bei all dieser umfassenden Arbeit wird ein Grundgedanke nicht vergessen: die gemeinsame Freizeitgestaltung zum näheren Kennen lernen. Hierbei wird immer darauf geachtet, dass das Camp einige Möglichkeiten zu Betätigungen, wie Sportstätten oder ähnliches, bietet.Dieses Konzept hatte sich als so erfolgreich bewährt, dass das Projekt bis zum Jahr 2003 mit 8 Teilnehmern aus 7 europäischen Ländern lief. Aber bereits 2003 war erkennbar, dass der Arbeitsaufwand für die organisierende Schule zu groß wird. Kein Wunder, dass die „Nachbarn In Europa“ 2004 im polnischen Gryfino das letzte Mal in voller Besetzung stattfand. Danach verabschiedeten sich Helsingbork, Emmen, Bielsko-Biala und Poprad aus unserer Runde und schieden leider aus. Die verbliebenen Schulen aus Westerstede, Kyritz, Silute und Liepaja wandten sich in den Folgejahren, inzwischen durch die Schule aus Mersrags/Lettland verstärkt, neuen Ufern zu. Waren es anfangs historische Projekte rund um das Ende des zweiten Weltkrieges, so erweiterte man bei den Projekten in Mersrags/Lettland die Palette wieder erheblich. Geografische und biologische Themen standen nun im Mittelpunkt. Krönung war dieser Projekte war die computergestütze Untersuchung des Flusses Roja in Lettland. In Zusammenarbeit mit der Uni Oldenburg beteiligte sich den Ergebnissen unserer Untersuchungen beteiligte sich die Europaschule Westerstede erfolgreich an Wettbewerben im Land Niedersachsen. Ein historisches Projekt zum Thema Hanse schloss sich im Folgejahr 2007 an, bevor zwei historische Projekte zum Thema Mauerfall / Deutsche Einheit in Kyritz 2008 und 2009 den vorläufigen Höhepunkt der Geschichte der Nachbarn in Europa bildeten. Wurden bis 2006 die Projekte noch von der Europäischen Union (Programm Sokrates/Comenius), der Stiftung West-Östliche Begegnungen, Berlin bzw. der Robert – Bosch Stiftung gefördert, so trat inzwischen die EVZ (Fond für Erinnerung Verantwortung und Zukunft) an deren Stelle. Trotz großer Bemühungen und unserer Meinung nach interessanten Themen, ist es uns seit 2010 nicht mehr gelungen, die Stiftungen zur Finanzierung unserer Projekte zu bewegen. Man darf dabei auch nie vergessen, dass ein großer Aufwand in der Planung steckt, sodass man das Stattfinden nicht als selbstverständlich hinnehmen und allen Organisatoren, die viel Zeit investieren, danken sollte.
Auch bleibt klar, dass das Projekt ohne finanzielle Hilfe nicht funktionieren kann und wir deshalb für die finanzielle Unterstützung sehr dankbar sind. Unser besonderer Dank gilt dem langjährigen Oberhaupt des Projektes, Herrn Uwe Riegel (Europaschule Westerstede), seinen Mitstreitern (Europaschule Westerstede) und Herrn Andris Dzenis (Vidusskola Valdemarpils). Hoffen wir, dass sich auch in Zukunft immer Personen finden lassen, die diese Idee finanziell und organisatorisch unterstützen, damit „Nachbarn in Europa“ auch in Zukunft seinen Beitrag zum Zusammenwachsen Europas leisten kann.

Stephan Hacker (ehemaliger Schüler des Gymnasiums Westerstede)
OStR Uwe Quellmalz, Gymnasium Kyritz





Für weitere Eindrücke schauen Sie bitte unter: http://www.nachbarn-in-europa.de/